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"...wenn die Leute denken, seine Arbeiten sind nach Fotos gearbeitet, dann hat er sein Ziel erreicht. Es sind aber keine Fotos. Es ist sozusagen die Re-Retusche von Fotos. Sie tun nur so, als wären es Fotos. Sie machen ihre Wirklichkeit selbst. Die Claudia ist eine Erfindung, eine solche Imago..." Kunsthistoriker Rudolf Greiner, Tübingen, am 6. Juni 1999 anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Imago" in Eberbach. |
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...die meist am Ende ganz anders umgesetzt wird!
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| Über Vorlagen: Auch diese Seite widmet sich in erster Linie meinen Bleistiftzeichnungen von Claudia und so will ich mich hier auch nur der Erstellung dieser Arbeiten widmen, da sie meines Erachtens auch die kompliziertesten Arbeitsschritte beinhalten. Die Beantwortung der oftmals gestellten Frage nach Fotovorlagen gleich zu Anfang: Das reine Kopieren eines Fotos, wie es oftmals die amerikanischen Fotorealisten in den 60er und 70er Jahren angestrebt haben, ist für mich in der Regel kein Anreiz, auch wenn ich das handwerkliche Geschick dieser Künstler sehr bewundere. Somit liegen aber die weiteren Probleme auf der Hand: Claudia ist eine imaginäre Figur. Von ihr gibt es keine Fotos. Hieraus ergeben sich auch spezielle Probleme für eine fotorealistische Darstellung, die gleichzeitig für mich aber auch gerade ein besonderer Anreiz sind. Zunächst bieten sich natürlich viele Bilder ähnlicher Typen oder Situationen aus Illustrierten, Katalogen, dem Internet oder sogar Videograbs als Arbeitsgrundlage an, und ich möchte auch nicht verhehlen, daß sie auch mir an der ein oder anderen Stelle das Leben leichter machen und mir meist ein reales Modell ersetzen, doch läßt sich nach denen allenfalls eine gewisse anatomische Richtigkeit und - vielleicht wichtiger - durch Verwenden von verschiedenen Ansichten der selben Typen, die relative Ähnlichkeit der dargestellten Figur zueinander erarbeiten. Fotos sind also keineswegs die wichtigste Quelle, um sich Anregungen zu holen; die vielen Facetten aus meinem wirklichen Leben sind viel bedeutender. Die Augen einer Bekannten oder nur die einer Frau, die man zufällig in der Straßenbahn sieht, vielleicht auch lediglich eine bestimmte Frisur, das ein oder andere Accessoire. Facetten aber, die einen viel mehr faszinieren als Bilder aus der Konserve; und so blickt mit Sicherheit auch durch manch eine Zeichnung von Claudia in Wahrheit die ein oder andere Frau, die mir im realen Leben begegnet ist, ohne das diese jemals davon etwas erfahren hat oder irgend jemand es wirklich feststellen könnte, aber das nur am Rande. Viele Dinge entstehen auch ganz spontan beim Zeichnen rein aus dem Kopf. Auf diese Weise sind zum Beispiel die meisten Modeentwürfe im Zusammenhang mit meinem Roman entstanden. Die wesentlichste Rolle spielt aber die innere Vorstellung von Claudia. Sie ist auch letztlich ausschlaggebend für die relative Ähnlichkeit der dargestellten Figur auf den Bildern zueinander. (Nur wenn die Vorzeichnung das imaginäre Bild von "Claudia" erkennen läßt, zeichne ich das Bild fertig.) Vieles in meinen Zeichnungen entspringt allein diesem inneren Bild und bedarf gar nicht erst einer Vorlage (siehe hierzu auch die Seite "Wer ist Claudia?"). In letzter Konsequenz könnte ich notfalls also auch ohne eine einzige Vorlage - sei es auf einem Foto oder in der Realität - auskommen.
Wenn irgend möglich arbeite ich aus dem Kopf. Das Suchen nach Vorlagen ist mir ein Greuel, denn man findet fast nie das, was man braucht. Um meine meist verwendete Arbeitsweise aber zu verstehen, sollte man sich zunächst zwei Extreme vorstellen: Das erste als das Kopieren eines Fotos, das zweite als das komplett freie Entwerfen. Ersteres kommt logischerweise nie, letzteres (wie in dem oben gezeigten Beispiel von Claudia37) auch nur eher selten zum Einsatz. Meist verwende ich für einen Teil der Umrißlinien eine Art Mischtechnik, die sowohl Komponenten der einen als auch Komponenten der anderen Arbeitsweise beinhaltet. Im Bereich des freien Entwerfens verwende ich übrigens nur sehr selten eine konstruierte Perspektive sondern lieber die sogenannte "Erfahrungsperspektive", die mir lebensnaher erscheint, da sich die rein perspektivische Konstruktion auf eine vereinfachte mathematische Gesetzmäßigkeit bezieht, die zu systematischen Fehlern führt, wogegen die Erfahrungsperspektive nur zufällige Fehler zur Folge hat, die meines Erachtens harmonischer wahrgenommen werden. Das was man mit Hilfe der eben beschriebenen Arbeitsgänge erhält, ist zunächst ein Liniengerüst, vielleicht in dem einen oder anderen Fall noch eine Idee für die Lichtführung. Wichtigstes Element sind nun die Texturen, die das Liniengerüst mit Leben füllen sollen. Auch in Bereichen, in denen ich nach einem Foto arbeiten kann, kommen für die Darstellung der Texturen (Haut, Haare, Stoff, Leder, Holz usw.) bestimmte, im Laufe länger Zeit von mir entwickelte, wiederkehrende Zeichenstrukturen zum Einsatz. Mit diesen Texturen läßt sich entweder die Form klären oder in einem Bereich, der ganz frei konstruiert ist, eine Linienkonstruktion mit einer Oberfläche überziehen (im Grunde gar nicht so anders wie heute in der Computergrafik). Bei der Lichtführung helfen oftmals schon Grundprinzipien von Körper- und Schlagschatten. (Wichtig an dieser Stelle, falls jemand selbst das fotorealistische Zeichnen erlernen möchte: Schattierungen jeglicher Art kann man beim Zeichnen niemals von einem Foto übertragen. Sie sollten (müssen!) immer ganz frei gezeichnet werden, selbst dann, wenn man nur ein bestehendes Foto kopieren möchte! Das Übertragen und Umranden irgendwelcher Grenzbereiche von im Original eigentlich fließenden Graustufenübergängen endet nicht selten im Chaos. Ich empfehle abgesehen davon ohnehin jedem, lieber zuerst nach der Natur und nicht gleich nach Fotos zu zeichnen.)
Zur eigentlichen Technik: Bei meinen hier schwerpunktmäßig vorgestellten Bildern handelt es sich um reine Bleistiftzeichnungen. Dabei kommt auch keine - wie auch schon einmal vermutet - Schummerungs-Technik zu Einsatz, sondern ich zeichne allein mit der untersten, scharfen Spitze des Bleistiftes. Auch Wisch- oder Radiertechniken verwende ich nur in absoluten Ausnahmefällen. Was meine Bilder vor allem brauchen, ist Zeit. Viel Zeit. In unserer schnell-lebigen Gegenwart, in der es meist darum geht, lieber gestern als heute bereits ein Ergebnis zu sehen, ist das sicherlich ein großer Luxus, aber das macht mir nichts aus, denn ich nehme mir beim Zeichnen wirklich die Zeit, die ich brauche, getreu dem Motto was du heute kannst besorgen, das kannst du oft auch noch morgen... Zwischen der ersten Idee und dem letzten Strich können daher manchmal drei bis vier Monate liegen. Wann ein Bild fertig ist, ist für mich nebensächlich, obwohl ich immer sehr kontinuierlich daran weiter arbeite, wenn ich mich entschieden habe, es zu vollenden. Und wenn ich dann allerdings für mich definiere, daß eine Zeichnung fertig ist, dann ist sie das auch; selbst wenn mir später einmal in einem fertigen Bild Dinge auffallen sollten, die mich wirklich stören. Diese Energie stecke ich dann trotzdem lieber in das nächste Bild, da ein wildes Herumkorrigieren in einem fertigen, älteren Bild doch nie wirklich zu einem Ergebnis führt und oftmals sogar etwas zerstören kann. Die eigentliche reine Arbeitszeit für eine Zeichnung liegt je nach Format zwischen 50 und 100 Arbeitsstunden, die sich in der Regel auf etwa 3 bis 6 Wochen verteilen. Wie gesagt, nur die reine Zeichenzeit, ohne Berücksichtigung der vorausgehenden oft sehr langen Konzeptionsphase, bei der natürlich auch die ein oder andere Idee in der Versenkung verschwindet. Man kann aber nicht ansatzweise sagen, daß das halbe Format nur die halbe Arbeitszeit wäre, auch wenn ich kleine Formate bevorzuge. Folglich schaffe ich also maximal ein Bild pro Monat, zumal ich ja auch noch ein paar andere Kleinigkeiten zu tun habe und nicht den ganzen Tag von morgens bis abends zeichne (was ich auch gar nicht könnte). Wenn ich eine Zeichnung konkret anfange, beginne ich immer mit dem Porträt und dabei wiederum mit den Augen. Die Augen sind für mich bei der visuellen Wahrnehmung eines Menschen das wichtigste überhaupt. Nicht nur im Bild sondern auch in der Realität. Allein aus dem Gesichtsausdruck (wie oben gesagt, ich muß "Claudia" in dem Bild erkennen) entscheidet sich, ob ich ein Bild überhaupt fertig zeichne oder nicht und wie die Figur im weiteren Bild dann in Szene gesetzt wird. Zwar habe ich schon von Anfang an meist auch ein grobes Konzept für das ganze Bild, notfalls muß aber alles komplett umgeworfen werden. Ist das Porträt "in trockenen Tüchern", beginnt die Konzeptphase, in der ich mir überlege, wie das Bild nun eigentlich überhaupt werden soll. In dieser Phase entstehen die ersten konkreten Ideen für Körperhaltung, Kleidung oder den Hintergrund. Diese Phase ist für mich mit die aufregendste, weil man jetzt seiner Fantasie freien Lauf lassen kann. Steht dann das Konzept, beginne ich recht konsequent in der rechten oberen Ecke und arbeite zur linken unteren (ich bin Linkshänder!), um die bearbeiteten Flächen nicht aus Versehen zu verschmieren. Allerdings erfordern die dargestellten Objekte oftmals eine andere Arbeitsweise. Die einzelnen Phasen der Bildentstehung überlappen sich sehr stark, so daß die hier beschriebenen Schritte nur als langjähriger Mittelwert angesehen werden können.
Als Zeichengrund verwende ich einen sehr feinen, harten Karton, der eigentlich zum Kartieren gedacht ist. Bei den Stiften kommen alle Härtegrade von 5B bis 9H zum Einsatz. Leider sind die Härten von 7H bis 9H vergriffen und seit mehreren Jahren praktisch nicht mehr zu bekommen, so daß ich heute auf einen kleinen Vorrat zurückgreifen muß, den ich zum Glück noch rechtzeitig zusammentragen konnte. Hilfreich ist eine Bleistiftverlängerung, die mir ermöglicht, auch mit bereits sehr kurzgespitzten Bleistiften noch sicher zu zeichnen. Ferner sind zum Glück gerade die harten Bleistifte sehr ergiebig. Mit dem Radieren ist das so eine Sache. Am liebsten radiere ich, abgesehen von dem Stadium der groben Vorzeichnungen, gar nicht. Da sich das aber nicht immer umgehen läßt, schneide ich meinen Radiergummi in kleine Stückchen und erhalte so immer eine scharfe Kante, mit der sich recht präzise zwischen den Feinheiten radieren läßt. Manchmal kommt auch ein Radierstift zu Einsatz, der den Vorteil hat, daß sich mit ihm auch die harten Bleistifte gut entfernen lassen, aber den Nachteil, daß er das Papier aufraut. Mit ihm kann man außerdem notfalls auch zu-dunkel-geratene Flächen vorsichtig wieder leicht aufhellen, in dem man die oberste Schicht abträgt, was bei einem normalen Radiergummi zu einem heillosen Geschmiere führen würde. In der Regel lege ich etwa drei Schichten unterschiedlicher Härte übereinander, je nach dem, welche Objektstruktur ich darstellen will. Großflächige Korrekturen sind - wie bereits erwähnt - nur bedingt möglich. Somit kann man auch praktisch nicht vom Großen ins Kleine zu arbeiten, da man nur die Umrisse, nicht aber die Schattierungen vorskizzieren kann. Auch zu expressive Vorzeichnungen im Rahmen der Konzeptphase könnten sich später bitter rächen. Um böse Überraschungen zu vermeiden, zeichne ich mir zwischendurch immer wieder kleine Kompositionsskizzen, oder ich scanne das noch unfertige Bild ein, drucke es verkleinert und zeichne den Druck aus. So erhalte ich eine Kompositionsskizze, die geometrisch mit dem späteren Original nahezu identisch ist. (Die letzte Aktualisierung dieser Seite erfolgte am 15.02.2010 um 23:02 Uhr!) |
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